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24.03.2012

Nah dran am Unentschieden

96 präsentierte sich kämpferisch gegen den FC Bayern München – dennoch verloren die Roten mit 1:2 (0:1). Nach Treffern durch Kroos (36.) und Gomez (68.) brachte Ya Konan sein Team per Fallrückzieher (75.) noch einmal ins Spiel.

Umstellung in beiden Anfangsformationen
96-Trainer Mirko Slomka änderte im Vergleich zum Köln-Spiel die Startelf gleich auf drei Positionen. In der Innenverteidigung stand "Mad Dog" Emanuel Pogatetz an Stelle von Karim Haggui auf dem Rasen, Christian Pander ersetzte auf der linken Seite Christian Schulz. In der Offensive dann eine unerwartete Änderung: Hannovers Spielgestalter Schlaudraff saß zum Spielbeginn auf der Bank, seinen Platz nahm Mame Diouf ein, der zusammen mit "Moa" Abdellaoue den Sturm komplettierte. Auf der Gegenseite veränderte Bayern-Trainer Jupp Heynckes auf zwei Positionen: Für Thomas Müller und Mario Gomez rückten Danijel Pranjic und Ivica Olic in die Anfangsformation der Münchener.

Bayern mit starker Anfangsphase
Nachdem der VfL Wolfsburg am Freitag mit seinem 2:1-Sieg über den Hamburger SV in der Tabelle bis auf einen Punkt an Hannover 96 herangerückt war, wurde es für die Roten gegen den Rekordmeister aus München am 27. Spieltag umso wichtiger, Zählbares mit in die Leine-Stadt zurückzubringen. Das Spiel in der Allianz Arena nahm von Beginn an Fahrt auf und war von Zweikämpfen geprägt. Die erste größere Chance hatten die Gastgeber in der 5. Minute. Nach Pass von Toni Kroos lief sich Bayern-Stürmer Ivica Olic auf der linken Seite frei, sprintete allein auf Ron-Robert Zieler zu. Sein Schuss war jedoch zu unplatziert und landete genau in den Armen des 96-Keepers. Die Münchener waren in der Anfangsphase das bessere Team, drängten nach vorn und suchten immer wieder den Abschluss. Doch die 96er standen gut, störten den Gegner früh und behielten das Bayern-Doppel Ribéry/Robben gut im Griff. Vor allem in den Zweikämpfen gaben sich die Roten keine Blöße und setzten ein ums andere Mal nach einem Ballverlust gut nach.


Mit vereinten Kräften gestoppt: Stindl und Cherundolo im Zweikampf mit Franck Ribéry.

Spiel ausgeglichener, München trotzdem mit der Führung
Die nächste Torchance gehörte trotzdem der Heynckes-Elf, als Bayern-Kapitän Philipp Lahm in die Mitte auf Ribéry passte. Dessen Schuss ging allerdings links am Tor vorbei (20.). Im Anschluss dann große Verwirrung im Strafraum der Münchener: Keeper Manuel Neuer war gerade auf dem Weg, den Ball aufzunehmen, als Stürmer Mame Diouf dazwischen ging und ihm das Leder stibitzte (21.). Aus spitzem Winkel fand der 96-Stürmer dann aber den Abschluss nicht und versuchte, in eine bessere Schussposition zu gelangen. Nach einer gefühlten halben Minute, in der das Bayern-Tor völlig leer war, gelang es den Gastgebern noch, den Ball aus der Gefahrenzone zu bekommen. Glück für die Münchener, dass der Fehler von Nationaltorwart Neuer nicht bestraft wurde. Nach dieser Szene wurde das Spiel ausgeglichener, beide Teams erspielten sich Chancen. In der 30. Minute setzte Sergio Pinto seinen Mitspieler Mame Diouf gut in Szene, dessen Schuss am 16er konnte Bayern-Keeper Neuer aber unter sich begraben. Trotzdem waren es die Münchener, die sich nach dieser kurzen Drangphase der Roten mit dem 1:0 selbst befreiten: Ribéry setzt sich auf der linken Außenbahn gegen 96-Kapitän Steven Cherundolo durch, den Pass des Franzosen in den Strafraum ließ Robben zu Kroos durch, der völlig freistehend zum 1:0 verwandelte (36.). Die 96-Elf hatte sich bis dahin gut präsentiert, der Treffer der Münchener kam nach dem starken Drang des FCB aufs Tor der Roten aber nicht unerwartet. Kurz vor der Pause hatte Stürmer Ivica Olic dann das 2:0 auf dem Fuß (45.), wusste allerdings mit der Hereingabe von Kroos nichts anzufangen. Der Ball ging ins linke Toraus.

96 gibt sich nicht auf
Zur Pause verzichteten beide Trainer auf Wechsel. Die zweite Hälfte begann mittelfeldlastig, beide Teams störten die Angriffe des Gegners früh. Hannover nutzte die Offensivpause der Münchener, um selber zu stürmen. In der 55. Minute bot sich mit einem Freistoß kurz vor dem 16er eine gute Chance für die Roten. Zuvor hatte Gustavo den stark spielenden Lars Stindl gefoult. Doch der Direktschuss von Pinto ging weit über das Tor der Münchener (55.). Kurz darauf eine Szene im Strafraum der Roten, bei der wohl einige 96-Fans den Atem anhielten: Ribery spielte den eingewechselten Gomez frei, der aus kurzer Distanz zum Abschluss kam. Der Schuss landete am linken Pfosten, sprang von dort an den Rücken Zielers, rollte anschließend aufs Tor zu, doch Emanuel Pogatetz rettete in letzter Sekunde und schlug den Ball aus der Gefahrenzone (63.). Ein Déjà-vu-Erlebnis für alle, die am Dienstag die DFB-Pokal-Partie zwischen Greuther Fürth und Dortmund gesehen hatten. Doch anders als die Fürther hatte 96 Glück – und Emanuel Pogatetz. Die Slomka-Elf ließ sich von solch knappen Geschichten aber nicht schocken und setzte im Anschluss selber offensive Akzente. Von links passte "Kocka" Rausch in den Strafraum, wo "Moa" knapp am Ball vorbeirutschte (66.). Seine letzte Chance im Spiel, kurz danach wurde der 96-Stürmer für den Ivorer "Didi" Ya Konan ausgewechselt.

Kaum zu bremsen: Ribéry sorgte immer wieder für Aufregung in der Defensive der Roten.

Joker-Tore auf beiden Seiten
Gerade eingewechselt, musste der 96-Stürmer dann mit ansehen, wie die Bayern erhöhten. Die Münchener jubelten, als der eingewechselte Mario Gomez in der 68. Minute mit dem 2:0 offenbar die Entscheidung für die Bayern erzielte. Im Strafraum dribbelte der Stürmer die 96-Verteidigung aus und schob den Ball unhaltbar für Zieler aus spitzem Winkel ins Tor. Freude auf Seiten der Münchener, doch der zweite Treffer der Bayern weckte in der Slomka-Elf erneut den Kampfgeist. Mit der Einwechselung Ya Konans bewies Trainer Slomka ein gutes Händchen, der Angreifer dankte es ihm mit einem Tor. Und was für eines! In der 75. Minute flankte Cherundolo von halbrechts in den Strafraum der Münchener, Diouf legte den Ball per Kopf Ya Konan vor, der mit einem wunderschönen Fallrückzieher das Leder zum 2:1 im Kasten versenkte. Mit seinem Anschlusstreffer sorgte der Ivorer für ordentlich Feuer in der Schlussphase. In der 79. Minute flankte Stindl in die Mitte, der anschließende Kopfball von Diouf ging aber knapp über das Gehäuse der Münchener. Bayerns Keeper Neuer musste sich kurz darauf richtig langmachen, um den Ausgleich zu verhindern: Rausch flankte in den Strafraum (85.), wo Boateng den Ball fast ins eigene Tor beförderte. Zum Ärger der 96er kam die aktuelle Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft aber gerade noch an das Leder und lenkte den Ball um den Pfosten. Die letzte Großchance des Spiels gehört den Münchenern, als der eingewechselte Müller die Abwehr der Roten überrannte, Zieler umkurvte, Cherundolo den Ball aber mit einer Grätsche in letzter Sekunde noch Müller vom Fuß stahl (86.).

Leicht glücklicher Heimerfolg der Bayern
Am Ende hatte Hannover 96 gekämpft, die Bayern unter Druck gesetzt und, wie im Vorfeld von Slomka angekündigt, offensiv gespielt und sich nicht versteckt.  Mit etwas Glück hätten die Roten den Ausgleich noch erzielen können, unverdient war der Sieg der Münchener allerdings nicht. Wie man den Rekordmeister in die Bredouille bringt, konnten die 96er der Bundesliga-Konkurrenz aber allemal zeigen. Fortsetzen können sie ihre Leistung dann am Donnerstag in Madrid - gern mit einem positiven Ergebnis.
nh

STATISTIK

FC Bayern München: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Pranjic (57. Tymoshchuk) – Robben, Kroos (78. Müller) – Ribery, Olic (61. Olic)

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander – Schmiedebach, Pinto (61. Schlaudraff), Stindl, Rausch – Diouf, Abdellaoue (66. Ya Konan)

Tore: 1:0 Kroos (36., Robben), 2:0 Gomez (68., Kroos), 2:1 Ya Konan (74., Diouf)

Gelbe Karten: Pranjic / Cherundolo, Ya Konan

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Zuschauer: 69000 (ausverkauft)

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